Peter Kahn und seine Partnerin Andrea im spätsommerlichen Permakulturgarten am Ederhof im Großglocknergebiet

Bergbauernhof und Permakultur im Mölltal

Ederhof

Handgemachte Gärungsessige, Kräutertees, Switchel und ein besonderer Ort zum Bleiben

Lageplan vom Ederhof von Peter Kahn im Mölltal

Feines vom Berg, das Menschen verwandelt

Im Großglocknergebiet, in Mörtschach im Mölltal, thront auf rund 1.200 Metern Seehöhe der Ederhof von Peter Kahn. Besucht man Peter auf seinem Hof, spürt man schnell, dass die beiden – Peter und der Hof – ganz einfach eins sind.

„Ich bin in der Nachbarortschaft aufgewachsen. Aber schon bald ging es für mich ins Ausland. In dieser Zeit wuchs ein Wunsch immer stärker: einen Ort zu finden, der mir wieder Heimat vermittelt. So entstand der Traum von einer eigenen Almhütte“, erzählt Peter.

Heimat am Ende des Weges

Eines Tages half Peter einem alten Bergbauern bei der Heuernte. Danach suchte er einen Platz zum Wenden und fuhr den Berg weiter hinauf. „Plötzlich, am Ende des Weges, stand ich vor einem verlassenen, alten Bauernhaus. Ein bisschen in die Jahre gekommen, aber mit ganz viel Charme. Ich fühlte mich im Himmel angekommen, verspürte ein Gefühl von Heimat“, erzählt Peter Kahn.

Rund zwei Jahre und einige Hürden später durfte er den Ederhof schließlich sein Eigen nennen.

Freude, Gefühl und ziemlich viel Arbeit

Als Peter den Ederhof übernahm, waren rund um Haus und Stall vor allem steile Wiesen. Über Jahre formte er diese Flächen nach den Prinzipien der Permakultur. Es entstanden Trockensteinmauern, Terrassen, Gärten und Ackerflächen. Teiche wurden angelegt, Obstbäume, Sträucher, Kräuter gepflanzt. Alles in allem ein Paradies. Die Jahre brachten Erfahrungen.

„Ökologie und Ökonomie vereinen sich hier zu einem schlüssigen Ganzen: Landschaft, Pflanze, Tier und Mensch stützen und nützen einander“, bringt es Peter auf den Punkt. Seit Jahren ist der Ederhof Arbeits- und Lebensmittelpunkt.

Lernen von Sepp Holzer, der Familie Margit und Sepp Brunner und der Natur

Einer der bekanntesten österreichischen Wegbereiter der Permakultur, Sepp Holzer, hat Peters Weg entscheidend geprägt. „Von Sepp und der Familie Brunner habe ich viel gelernt. Vieles von dem, was ich über natürliche Kreisläufe, Vielfalt und das Zusammenspiel von Pflanzen, Wasser und Landschaft erfahren habe, findet sich heute am Ederhof wieder“, sagt Peter und ergänzt: „Und den Rest hat mich die Natur gelehrt.“

Und doch trägt der Ederhof längst die eigene Handschrift des Permakulturdesigners Peter. Seine Philosophie beschreibt er mit wenigen Worten: „Mit Freude und Gefühl leben. Lebensraum schaffen und darauf vertrauen, dass die Welt uns trägt und nährt.“ Sich um die Schönheit des Augenblickes bemühen.

Was er damit meint, zeigt sich in kleinen Dingen. Viele Obstbäume am Ederhof waren einmal Ladenhüter. Bäume, die niemand mehr haben wollte. Peter pflanzte sie und gab ihnen einen Platz, an dem sie weiterwachsen konnten. Er legte natürliche Teiche an und schuf damit Lebensräume für zahlreiche Nützlinge. Auch Pflanzen, die gerne als „Unkraut“ bezeichnet werden, dürfen hier wachsen.

Heute liefern Bäume, Beeren, Kräuter und Pflanzen rund um den Hof die Grundlage für vieles, was Peter und seine Lebenspartnerin Andrea in diesem Paradies herstellen.

Die Essenz des Berges

Permakultur, Ruhe und Zeit bilden den Rahmen der kleinen, feinen Essigmanufaktur am Ederhof.

Essig beschäftigt Peter schon lange. Bereits vor rund 30 Jahren setzte er seinen ersten Fruchtwein aus schwarzem Holunderbeeren an. Sein Wissen über die Essigherstellung vertiefte er später unter anderem bei den Essigexperten Dr. Bettina Malle und Dr. Helge Schmickl.

Die Früchte werden geerntet, verarbeitet und zunächst zu Fruchtwein vergoren. Peter erklärt: „Danach bekommt dieser vor allem eines: Zeit. Mehrere Monate, manchmal bis zu einem Jahr, lagert und reift der Fruchtwein kühl im Erdkeller, klärt sich und entfaltet sein Aroma.“

Lebendig und voller Geschmack: Peter Kahns reiner Gärungsessig

Der nun fertige Wein wird nicht behandelt. Dazu Peter: „Die Unverfälschtheit und das Lebendige würden verloren gehen. Aus diesem Grund entschloss ich mich zu einer Weiterveredelung des Weines – in Essig. Konservierung durch Fermentation.“

Dem gereiften Wein werden Essigbakterien zugegeben. „So bildet sich auf natürlichem, biologischem Weg Essigsäure. Ein auf diese Art der zweifachen Vergärung entstandener Essig darf sich ‚reiner Gärungsessig‘ nennen. Wie auch der Wein, reift der junge Essig mindestens ein paar Monate weiter“, erklärt Peter.

Die naturtrüben, reinen Gärungsessige werden weder sterilisiert noch pasteurisiert. Auf Antioxidationsmittel sowie Farb- und Aromastoffe wird verzichtet. Von der Obsternte über die Verarbeitung und Reifung bis zur Etikettierung ist Handarbeit angesagt. Peter betrachtet seine Essige wie ein gutes Glas Wein: Sie brauchen Zeit, um zu reifen und harmonisch zu werden.

Er nennt das Ergebnis „Die Essenz des Berges“. Treffender könnte man kaum beschreiben, was in diesen Flaschen steckt.

Tauernwind, Morgenstund und Bergfeuer

Der Ederhof trägt allerdings nicht nur Peters Handschrift. Mit ihm lebt und arbeitet hier seine Partnerin Andrea. Sie verarbeitet Kräuter, die am Ederhof wachsen, zu ihren eigenen, erlesenen Teemischungen.

Jedes Kraut wird von Andrea einzeln und von Hand gepflückt. „Eine Arbeit, die viel Zeit, Geduld und ein gutes Gespür für die Pflanzen verlangt. Die Natur gibt uns so viel Wertvolles, sie hat einen achtsamen Umgang verdient“, sagt Andrea.

Aus den sorgfältig ausgewählten Kräutern entstehen feine Teemischungen, deren Namen schon ziemlich viel über den Ort verraten, an dem sie entstehen: Tauernwind, Morgenstund, Bergfeuer und Dankeschön.Auch Oregano und das Tauerngewürz gehören zu den Produkten des Ederhofs.

Mehr als das Offensichtliche

Andrea beschäftigt sich außerdem mit Geistheilung und einer analytischen Technik der Fernwahrnehmung, auch Remote Viewing genannt. Sie erklärt: „Dabei geht es darum, Eindrücke zu einem unbekannten oder entfernten Ziel zu erfassen, ohne dieses vorher zu kennen, unabhängig von Zeit und Raum.“

Auf den ersten Blick mögen Permakultur, Kräuter, Essigherstellung, Geistheilung und Fernwahrnehmung wenig miteinander gemeinsam haben. Auf den zweiten vielleicht doch. Denn Peter und Andrea verbindet eine Haltung, die überall am Ederhof spürbar wird: Genau hinschauen, wahrnehmen und Dingen Raum geben, sich zu entwickeln.

Die Produkte des Ederhofs tragen ihre Herkunft auch offiziell nach außen: Sie sind Regions-Produkte des Nationalparks Hohe Tauern.

Was aus einem einfachen Stein werden kann

Am Ederhof gibt es noch einen Ort, an dem Peter einer seiner ältesten Leidenschaften nachgeht: der Steinbearbeitung. „Wasser und Stein faszinieren mich seit meiner Kindheit. Lange bevor der Ederhof zu meiner Heimat wurde, begann ich, Steine zu bearbeiten“, erzählt Peter Kahn.

Sein handwerkliches Wissen verdankt er alten Meistern aus Idar-Oberstein, die ihn in die Kunst der Steinbearbeitung einführten und ihr Wissen weitergaben. Heute entstehen in seiner Werkstatt Unikate: traditionelle Brettspiele, Ringe, Wachs- und Öllampen sowie Schmuck. Am liebsten arbeitet Peter mit heimischem Material, unter anderem dem Edelserpentin.

Auch das passt zu seiner Art, die Welt zu betrachten: einen unscheinbaren Stein in die Hand nehmen, genau hinschauen und entdecken, was darin steckt.

Der Ederhof ist eben nicht nur Bergbauernhof oder Manufaktur. Er ist eine lebendige Werkstätte. Ein langjähriger Freund beschrieb den Ederhof einmal so: „Der Ederhof trägt die Handschrift von Individualisten, die die Natur mitgestaltend sich entfalten lassen.“

Einfach bleiben: Auszeit am Ederhof

Das Schöne daran: Diesen Ort kann man selbst erleben. Stille- und Einkehrsuchenden bietet der Ederhof eine Herberge in Alleinlage. Umgeben von Wald, Gartenanlagen, Feuchtbiotopen und einer unglaublichen Pflanzenvielfalt liegt er am Rande des Nationalparks Hohe Tauern.

Direkt vom Hof kann man zu Spaziergängen und Wanderungen in die hochalpine Schobergruppe aufbrechen. Selbst der Aufstieg zur Wangenitzseehütte ist von hier aus möglich und dauert rund fünf Stunden. Man muss am Ederhof allerdings gar nichts unternehmen. Man kann auch einfach bleiben, die Seele baumeln lassen.

„Im Haupthaus befindet sich eine Wohnung mit eigenem Eingang und großer Terrasse. Oder man urlaubt in der Almhütte am Hofgelände“, so Peter. Auch für eigene Projekte stellt der Ederhof auf Anfrage Raum zur Verfügung.

Vielleicht ist das ohnehin die schönste Art, diesen Hof zu verstehen: nicht nur darüber lesen, sondern ihn selbst zu erleben. Eintauchen in die eigene Schönheit.

Und dann wäre da noch „Lea vom Berg“

Peter stellt am Ederhof auch Switchel-Sirup her, den er nach seiner Enkeltochter Lea benannt hat. Das traditionelle Getränk wurde in Nordamerika als „Haymaker’s Punch“ – als Heumacher-Punsch – bekannt. Aufzeichnungen aus dem 17. Jahrhundert zufolge tranken ihn Landarbeiter während der anstrengenden Feld- und Heuarbeit als erfrischenden Durstlöscher, ein isotonisches Getränk.

Apfel, Honig, Ingwer, Zitrone und Minze verleihen dem Getränk seinen einzigartigen Geschmack und belebende Wirkung in der heißen, wie auch kalten Jahreszeit. „Mit Wasser verdünnt entsteht ein süß-säuerliches, erfrischendes Getränk mit der feinen Schärfe des Ingwers. Ein wunderbarer Durstlöscher nach körperlicher Arbeit oder sportlicher Betätigungen. Der Switchel-Sirup kann auch als Basis für Cocktails und als Aperitif mit Prosecco hervorragend genossen werden“, so Peter und ergänzt: „Ein besonderes Highlight ist „Lea vom Berg“ auch für Desserts.
Auf höchste Qualität und schonende Verarbeitung wird größter Wert gelegt.

Und damit schließt sich eine Geschichte, die vor vielen Jahren mit einer Heuernte begann. Damals suchte Peter eigentlich nur einen Platz, um sein Auto zu wenden. Gefunden hat er einen Ort, der zu seiner Heimat wurde.

Manchmal muss man eben nur am richtigen Ort umdrehen.

Kontaktdaten

Vulgoname:
Ederhof
Name:
Peter
Kahn
Adresse:
Pirkachberg 1, 9842 Mörtschach,
Telefon:
+43 69916120688
E-Mail:

Teilen Sie diesen Beitrag